Ein Interview mit ….. PolluxCastor

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Ein Internview nach langer Zeit. Das zeugt davon, dass zum einem lange überlegt wurde, wen man noch interviewen könnte und wer auch Lust dazu hat. In diesem Fall war es allerdings so, dass wir denjenigen irgendwie gar nicht auf dem schirm hatten, obwohl er nur darauf gewartet hat, dass wir ihn Fragen. Warum nicht auf dem Schirm?! Gute Frage. Nahezu täglich lesen und schreiben wir miteinander. Aber meistens sind diese Personen im Leben des Ingress-Spielers so allgegenwärtig, dass man sie wegen so etwas total vergisst.
In diesem Fall reden wir von PolluxCastor alias Peter.


Hallo Peter. Schön dass Du dich zu nem Interview breitschlagen gelassen hast.

Von wegen. Ich habe mich schon gewundert warum Du mich nicht fragst. Aber Scherz beiseite. Mach ich doch gerne.

Jetzt haben wir ja wieder den Beweis, dass Ingress kein Kinderspiel ist. Offensichtlich bist Du ja schon aus der Schule raus und stehst mit beiden Beinen im Leben.

Ich bin 23. Naja, so fast zumindest. Da ich aber schon 15-20 Mal meinen 23. gefeiert habe, bin ich da recht sicher. Und „mit beiden Beinen im Leben“ ist ja ansichtssache.

Woher aus Niedersachsen kommst Du genau?

Ziemlich Zentral, also in der Mitte Niedersachsens, konkret: Asendorf

Jetzt bist Du ja in Niedersachsen sozusagen einer der dienstältesten, noch aktiven Spieler. Wann hast Du dich denn der Ingress-Sucht hingegeben?

Die Einladung zur Beta kam am 8.8.2013, doch als ich den Scanner startete, war das zunächst ernüchternd: keine

 Portale, nichts, nur die Straßen meines Heimatdorfes. Im Umkreis von 15km wurde das nicht besser, also habe ich das an die Seite gelegt.
Ein paar Tage später, am 14.8. als ich in Dünkirchen in Frankreich weilte, startete ich erst FieldTrip, um nach Restaurant-Empfehlungen zu suchen und dabei fiel mir ein, daß es ja dieses Spiel der Macher von FieldTrip gab…
Also die App gestartet und „wow“, das sind also diese „Portale“ und das müssen „Links“ und „Fields“ sein. Ich war baff und habe sodann meinen ersten Hack gemacht und auch die ersten Portale verlinkt. Da waren 4 Stück im Kreis und ich habe die verlinkt und es kam kein Feld .. also einen quer durch, um aus dem Quadrat zwei Dreiecke zu machen und „tada“, ich hatte das Spiel verstanden 😊
Den Rest des Abends und alle folgenden Tage habe ich sehr zum Leidwesen meiner Freundin und gegen horrende Roaminggebühren nichts anderes mehr gemacht, als mit dem Scanner durch die Gegend zu laufen.
Später in der Heimat fand ich dann in jeweils 23km Entfernung verschiedener Himmelsrichtungen auch Portale und begann zudem mit dem Einreichen.
Ich war angefixt und die Tankrechnung stieg ebenso wie der Zeitbedarf, dafür sank die Meinung meiner Freundin über mich und im Verlaufe der Jahre gab es daher auch so manche ernste Krise, weshalb ich seit einer Weile auch einen Gang runterfuhr. Trotz Founder bin ich also bis heute nicht Lv16 😊

Und warum dann zum Start die Resistance?

Ich habe mir die Beschreibung der Fraktionen durchgelesen, ENL kam zuerst, das klang soweit schon ganz gut, aber dann kam RES und es war klar: es kann nur RES werden, alles andere ist indiskutabel.

Nachdem die erste Hürde ja wohl relativ leicht zu nehmen war, gab es ja die nächst Hürde – der Nickname. Woher kommt der?! Der wirkt ja nicht gerade zufällig ausgewählt.

Nun, ich bin bin nicht abergläubisch, aber ich bin Zwilling als Horoskop. Und da gibt es sog. Pollux- und Castor-Typen, sagt man. Ich habe am 5. Juni kurz nach 12h mittags Geburtstag, also am mittlersten Tag des Sternzeichens überhaupt zur Tagesmitte. Bin ich also Castor- oder Pollux-Typ? Nun, ich bin dann wohl beides. Die Abkürzung „PC“ (mit verschiedenen Bedeutungen gleichzeitig, die zu erläutern hier den Rahmen sprengen würde) und auch „Pollux“ bzw. „PolluxCastor“ habe ich in verschiedenen Spielen schon vorher gehabt. Eigentlich war es meist Pollux, aber da der Nick in Ingress schon vergeben war, wurde es eben PolluxCastor.

Was gefällt Dir an Ingress?

Mir gefällt das zum einen schlichte Prinzip mit einer Sorte Waffen (okay, seit Erfindung der Ultras mit einer Sonderform dazu) und einer Sorte „Baumaterial“, um Dinge errichten und vernichten zu können. Das ist simpel und gut. Dazu ein paar überschaubare Mods, um die Dinge etwas abzusichern und fertig ist die Laube. Mehr braucht es nicht und die Komplexität von RPGs oder neuen Ansätzen bei ARGs wie Delta-T etc. ist einfach nur nervig.

Dann gefällt natürlich besonders das strategische Element, also das Bauen der Felder für die Dominanz der eigenen Fraktion und die Pflicht, sich dadurch in der realen Welt bewegen zu müssen. Ich habe schon immer gerne Städtereisen gemacht, aber so noch viel lieber und es ist natürlich so, daß man viel auf den Scanner guckt, aber ich sehe doch mehr nebenbei, da ich zum Einen gezielt auch ohne Blick auf den Screen die Umgebung auf „Besonderheiten“ scanne (mit den Augen) und zum Anderen durch die Portale im Scanner auch sehe, ob sich in der Umgebung der Blick weg vom Scanner lohnt.
Und wie wir alle wissen, kommt man früher oder später in Kontakt mit anderen Spielern und das gibt dem ganzen dann die bei vielen Spielen fehlende Ebene der sozialen Interaktion, Gemeinschaftsbildung und vieles weitere. Die aus dieser schlichten App erwachsenen Möglichkeiten, die über die Zeit kamen, sind einfach gut.

Aber es ist ja nicht alles Gold was glänzt. Jeder Spieler hat doch so seine Ärgernisse im Spiel. Was bringt dich denn bei Ingress regelmäßig auf die Palme?

Natürlich die bekannten Ärgernisse, die manche Spieler machen, indem sie die Grenzen überschreiten und Niantics schwammige TOS, sowie deren Durchsetzung bzw. NIAs Kommunikation bei kritischen Themen. In der TOS steht nicht: ein Spieler darf nur ein Konto haben, da steht „jeder bitte nur ein Konto“, aber kein Verbot, nur eine Bitte. Wir alle kennen Spieler mit einem halben Dutzend L8+ Konten, die ganz alleine ihre eigene L8er-Farm bauen und keiner davon wurde je gebannt. Die lachen noch höhnisch. Klar, mehr Nutzer = besser an Sponsoren zu verkaufen, was Reichweite angeht, aber dennoch doof.

Spoofing ist bei Weitem noch viel schlimmer, denn so müssen die Leute nicht mehr selbst raus, um einen Feldanker zu killen oder ein Feld zu bauen, das machen sie vom heimischen PC und das ist einfach verkehrt. Wenige Cheater können so nahezu allen das Spiel verderben, da die einen Tage und Monate planen, fahren, farmen, linken etc. und dann kommt einer mit zwei Mausklicks und macht alles zunichte.

Hier ist Niantics Aktivität einfach als mangelhaft zu bewerten. Stattdessen gibt es false positive bans legitimer Spieler wegen eines Algorithmus, die dann aber auch nicht bearbeitet werden.

Du sagst ja selbst, dass Du seit 2013 spielst, damals aber schon um einiges aktiver als heute. An was erinnerst Du die am liebsten zurück?! Hab es irgendwelche Erlebnisse, die dir heute noch ein lächeln ins Gesicht zaubern?

Puh, diese Frage läßt sich so nicht beantworten. War es der erste Kontakt mit fremden Leuten, denen man sich dann in ihrer Community anschloß? Das Gefühl, auf einmal spontan zu etwas dazu zugehören? Das Gründen der ersten eigenen Community oder des ersten Anomalieteams (das übrigens bis heute lebt und bei dem es über die Jahre neben der Kernmannschaft mehr als 50 Spieler aus aller Welt gab – bis ins ferne Seattle)? Gruß an die River Smurfs an dieser Stelle. Und natürlich die Community Niedersachsens Mitte, die sich sehr freut, mit den The Key Elements freundschaftlich verbunden zu sein!

Oder war es, das erste Mal überhaupt zu einer Anomalie zu fahren; ins ferne Belgien, um da mit ein paar Tausend Leuten die Stadt zu bespielen? 550 km Anreise zzgl. Hotel für ein Spiel? Waren es die Interviews für den Ingress Report und „Hank Johnson“ und Ione Butler (Susann Moyer) getroffen und gesprochen zu haben?
Oder war es vielleicht der Moment, als ich erstmals als OP für ein großes Feld von Fremden angefragt wurde und ich dann mehr als 900 km² Fläche und außerplanmäßiges Aushelfen in München hatte, um erfolgreich ganz Europa zu covern und einen Blick in die beeindruckende Gesamtvernetzung der RES-EU zu bekommen?

Oder waren es viel mehr die vielen, vielen kleinen lustigen Geschichten und Anekdoten, die durch Feldbau im Team entstanden und in Chats für Stunden, Tage und Wochen „lebendig“ wurden? War es vielleicht die bis heute lebendige #DippinGate-Geschichte, die eines der bestgehüteten Geheimnisse ist?
Oder der Moment, als sie bei der Anomalie in Utrecht tatsächlich 150-200 „Peter-Cards“ druckten und an der Reg verteilten und jeder Besitzer verpflichtet gewesen wäre, mir einen Kaffee auszugeben (was ich nicht in Anspruch nahm)?

Oder waren es die Momente in den Anfängen, als man nachts um 1 raus ist, um den „Lieblingsfeind“ inflagranti zu stellen, der einem immer die Portale wegballerte und den man endlich kennenlernen wollte, weshalb man seiner Spur im Scanner nachts durch die Stadt lief, sich auf leisen Sohlen anschlich und „buh“ hauchte, als man direkt hinter ihm stand?

Oder war es der Moment, als man im RES HQ eine Anomalie als Dispatcher mitsteuerte? Oder die 9 Monate Cross-Faction, um einen Mission Day zu planen, bei dem einem die eigene Fraktion wenig hilfreich war, da sie erklärt gegen den MD in der Stadt war und man sich abgekapselt zwischen den Fronten befand, während man parallel auch noch an einer anderen Quasi-Revolution innerhalb der nationalen Fraktion aktiv tatbeteiligt war, was auch neben Arbeit mit Problemen behaftet war (da auch Frösche mitlesen, wird das, wie auch einiges andere, hier nicht weiter erwähnt werden können, aber auch das wird in jedem Fall „ewig“ in meinem Gedächtnis bleiben, all das Drama, was es ja nun mal auch bisweilen gab).

Oder waren es vielleicht die mehrfachen, erfolgreichen Versuche, mit 2-5 Leuten spontan Bremen zu covern? 3x in 48 Stunden erst zu zwölft, dann zu fünft und dann noch einmal zu zweit Bremen unter mehreren blauen Layern verschwinden zu lassen? Am Lenkrad fast einzuschlafen, da man „mal eben“ ein paar Hundert Kilometer in der Nacht verfuhr, um zu cleanen? Mit einem gebrochenen Traggelenk für sowas unterwegs zu sein?
Bremen, Hamburg oder Hannover unter Feldern verschwinden zu sehen, die ich geplant oder mitgeplant habe? Als OP angefragt worden zu sein, um ein Feld über dem Atlantik zu bauen und bis heute noch hin und wieder mit den Akteuren zu chatten, von denen zwei sogar extra aus Portugal zur Ano nach Hannover kamen, um in meinem Team zu spielen?

Ich glaube, das Gesamtpaket ist nicht losgelöst von den Teilen zu sehen, die paar Beispiele hier sind alle schon mehr oder weniger lange in meiner Erinnerung und ich denke an alle gerne zurück, wenn ich das Revue passieren lasse. Und ich könnte unmöglich sagen, welches das markanteste war.
Allen gemeinsam ist, daß es Erlebnisse waren, die durch Interaktion mit anderen, teils bis dahin völlig fremden Menschen waren.
Einmal, als ich kurz vor Spanien war, schrieb mich ein Schlumpf an und bot mir an, einen Teil des Mittelmeeres zu covern, wenn ich Lust hätte. Meine Freundin hätte mich gekillt, wenn ich ja gesagt hätte, aber ich habe ihn w

 

ährend meines Aufenthaltes tatsächlich noch in seiner Stadt besucht und kurz gequatscht.
DAS ist Ingress – Orte zu bereisen und Menschen zu treffen. Wenngleich ich es auch sehr genossen habe, nachts als einsamer Wolf durch Bremen oder Nienburg zu latschen, um zu feldern oder Banner zu absolvieren. Nur bleibt das nicht so prägnant hängen, wie Gemeinschaftsaktionen.

Da hast Du aber schon einiges in deiner Ingress-Zeit erlebt. Und wie Du schon gesagt hast, war es nicht immer unbedingt positiv. Aber das hat ja auch damit zu tun, wie man selber sachen aufnimmt und an sich heran lässt. Was ist denn deine eigene Macke bezüglich Ingress? Kannst Du so selbstkritisch sein?

Ja klar! Es ärgert mich, wenn einige Spieler unehrlich etwas kaputtmachen, was andere ehrlich errichtet haben. Wenn die einen mehrere Monate geplant und Keys gefarmt und durch die halbe Republik transportiert haben und reale Zeit und reales Geld ausgaben, um ein BAF zu bauen und dann ein Spoofer vom Sofa aus den Anker killt. Da werde ich sauer, auch, wenn ich an dem Feld gar nicht beteiligt war. Und ich werde generell stinkig im Leben, wenn jemand eine Unwahrheit behauptet. Wenn also jemand irgendwelchen Kollegen (oder mir selbst) etwas unterstellt, was definitiv nicht getan wurde und das am Besten noch in der Comm Ingame. Das kann ich selbst dann nicht auf sich beruhen lassen, wenn es eigentlich die Aufregung nicht wert wäre, da das morgen schon vergessen ist. Aber in dem Moment gehe ich steil und lasse auch nicht locker. Das gab schon stundenlange Chats – verschwendete Lebenszeit und unnötig graue Haare 😊

Stell Dir vor, Du könntest jetzt auf das Spiel Einfluss nehmen. Am Scanner rumspielen, das Spiel verändern. Was würde sofort rausfliegen und welche Funktion würdest Du integrieren?

Also ohne die Map ginge gar nichts, was „große Gemeinschaftsaktionen“ angeht, selbst „kleiner Individualfeldbau“ wäre lästig, da erhoffe ich mir, daß sie angesichts des aktuellen „RIOT-gate“ keine Einschränkungen vornehmen, sondern viel mehr etwas weiter verbessern und evtl. die API für alle öffnen, um der Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben, sie weiterzuentwickeln, wie es IITC ja als Beispiel schon macht. Bedauerlicherweise scheint es aber genau in die andere Richtung zu gehen und ich fürchte, mit zukünftigen Versionen von Ingress könnte sich die bestehende Playerbase richtig angepißt fühlen…

Löschen könnte man … ähm, weiß ich gerade nichts. Ich persönlich könnte auf den Reiter mit den Links zu sozialen Netzen in der App verzichten, aber das gehört dennoch irgendwie rein,da der Anbieter sicher in der App berechtigterweise auf seine Online-Präsenz hinweisen will.
An Items haben aber selbst die LinkAmps ihre Daseinsberechtigung für neue Spieler geringen Levels, um längere Links ziehen zu können. Da kann eigentlich nichts wirklich gelöscht werden.

Ah, doch, die Übersetzungen können raus, das schlichte Englisch beherrscht jeder und es kotzt mich an, daß sich die App immer wieder auf Deutsch stellt.

Und was für ein Item vermisst Du?

Ich möchte endlich den Kapseln individuelle Namen geben können, also sie „Burster“, „Mods“, „Shields“ etc. nennen können, um nicht immer alle aufmachen zu müssen, um zu sehen, was darin ist.
Und ich will vor allem 5-10 weitere Keylocker kaufen dürfen, da ich als Landspieler und Erinnerungs-Key-Sammler so ständig mein Inventar blockiere 😊

Was wünscht Du dir als Fazit von Ingress? Sicher doch, dass wir noch lange Spielen können, oder?!

Viele, viele weitere Jahre am Markt zu sein. Mögen die Server nie abgeschaltet werden und mag Niantic noch lange Freude an ihrem Baby haben, das sie als Playground für ihre App-Entwicklung mit uns geteilt haben und weiter teilen. Und mögen sie die Map bzw. den PC-Zugang zur Map nicht abschalten.

Ich danke Dir für das Interview. Ich gestehe, es war, so glaube ich, eines der ausführlichsten, die wir bisher geführt haben. Aber Man kann schon deutlich lesen, dass Ingress für dich ein Bestandteil deines Lebens ist und Du mit Herzblut ein Agent der Resistance bist.
Wir freuen uns darauf, deinen Namen noch eine lange Zeit auf der Intel sehen zu können. 
Danke.

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